Twitter blockt künftig gesetzwidrige Nachrichten

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Twitter blockt künftig gesetzwidrige Nachrichten

Bisher hat sich der Kurznachrichtendienst Twitter geweigert, Inhalte zu zensieren. Nun schwenkt der Konzern um – aus Angst, in manchen Ländern abgeschaltet zu werden.
Der Onlinedienst Twitter wird künftig Nachrichten seiner Nutzer in manchen Ländern blockieren. Die Kurznachrichten würden in Staaten, in denen die Inhalte gegen Gesetze verstießen, nicht mehr veröffentlicht, kündigte das US-Unternehmen in seinem Blog an. In Ländern, wo die Inhalte legal seien, werden die Tweets dagegen weiterhin sichtbar sein.
Als Beispiel für Nachrichten, die künftig blockiert werden, nannte Twitter Meldungen mit einem nazifreundlichen Hintergrund, die in Deutschland und Frankreich verboten seien.
Twitter-Sprecherin Jodi Olson sagte dem Blog Techpresident, Twitter habe angesichts der Rechtsprechung die Wahl gehabt zwischen einer "globalen Löschung von Inhalten, ohne die Nutzer zu benachrichtigen, und einer gezielteren Herangehensweise." Das Unternehmen habe sich für eine transparente, länderspezifische Lösung entschieden. Die Nutzer würden informiert, wenn ein Tweet aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlicht werde, die Inhalte würden als zurückgehalten gekennzeichnet.
Mit dieser Maßnahme will der Konzern offenbar verhindern, dass sein Dienst in machen Ländern abgeschaltet wird. Auch die Erschließung neuer Märkte könnte ein Grund sein. Ostasien ist ein aufsteigender Markt für Mikroblogging-Dienste. Mehr als 250 Millionen Chinesen sollen inzwischen die Dienste des Twitter-Konkurrenten Sina Weibo nutzen. Twitter ist in China blockiert. Das könnte sich nun ändern: "Mit der Fortsetzung unseres internationalen Wachstums werden wir in Länder eintreten, die unterschiedliche Vorstellungen von der Meinungsfreiheit haben", schreibt Twitter in dem Blogeintrag.
Mit der selektiven Zensur leitet Twitter eine Trendwende ein. Der Dienst hatte während der Aufstände in der arabischen Welt eine wichtige Rolle als Kommunikationsmittel der Oppositionsbewegungen gespielt. Damals hatte das Unternehmen signalisiert, es wolle Tweet-Inhalte nicht anrühren. Doch in der Vergangenheit hat Twitter bereits, wie auch Google und Facebook, auf Anfrage hin Inhalte gelöscht, beispielsweise wenn sie gegen das Urheberrecht verstießen.
Die Entscheidung, künftig auch persönliche Inhalte zu blockieren, stößt auf viel Unverständnis. Im Blog der New York Times ist von einer "Mikro-Zensur" die Rede. Drastischer formuliert es Mark Gibbs auf forbes.com: Er spricht von "sozialem Selbstmord". Twitter habe einen großen Fehler gemacht, sich dem politischen Druck zu beugen, so Gibbs. Zudem sei unklar, wie Twitter die Inhalte künftig überwachen wolle: Bei einem Aufkommen von rund 4.000 Tweets pro Sekunde weltweit sei eine Kontrolle nur durch Filtermechanismen möglich – diese könnten aber beispielsweise Tweets mit Ironie missdeuten.
Offenbar lässt sich die Blockierung aber leicht umgehen. Twitter macht sich für das Verfahren die jeweilige Ländereinstellung des Nutzerprofils zunutze. Das Land wird zunächst automatisch über die IP-Adresse ermittelt, kann aber nachträglich manuell geändert werden. Den Standort dauerhaft auf Basis der IP-Adresse bestimmen möchte Twitter offenbar nicht: "Geotargeting auf IP-Basis ist keine perfekte Technik, und wir wollen sicherstellen, dass Nutzer die Ortsangabe verändern können, wenn sie nicht stimmt", sagte Rachel Bremer, die europäische Pressesprecherin Twitters, dem Blog Netzwertig.
 COPIADO : http://www.zeit.de/digital

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